9. Mai 2018 | Borussia Dortmund

Ein Kasten Bier vom Versicherer

Der Fußballklub Borussia Dortmund bietet Fans eine spezielle Hausrat- und Haftpflichtversicherung an. Wer abschließt, zahlt bei Toren seines Vereins weniger. Versicherer ist Element, die Signal Iduna ist beteiligt.

SZ-Artikel von Herbert Fromme, Köln
Bild: Signal Iduna/Element

Fans von Borussia Dortmund können sich künftig mit einer speziell für sie entwickelten Hausrat- und Haftpflichtpolice versichern. Schießt ihr Verein Tore oder erreicht einen der drei oberen Tabellenplätze, wird die “Versicherung09” billiger – pro Tor um 9 Cent, bei Erreichen der guten Tabellenposition um 9,09 Euro.

Wer ein Spiel wegen einer Autopanne verpasst, bekommt die Ticketkosten erstattet sowie 50 Euro als “Frustpauschale”, wer Hausratschäden in Eigenleistung behebt, einen Stundensatz für die Arbeit und 15 Euro für eine Kiste Bier. Die SZ berichtete im Januar über den Plan für das vereinseigene Versicherungsangebot. Jetzt haben die Borussia und die beiden beteiligten Gesellschaften die Einzelheiten offengelegt.

Mit “Strom09” bietet der Verein bereits ein Energieangebot für Fanhaushalte, jetzt kommt die Versicherung hinzu. Die Marken lehnen sich an den Namen des Vereins an, der vollständig “Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund” heißt.

 

Die Digitalisierung erhöht den Kostendruck bei den traditionellen Versicherern

Versicherungsgesellschaft für das neue Angebot ist das Berliner Start-up Element, das vom Gründungshelfer Finleap ins Leben gerufen wurde und seit Oktober 2017 von der Bafin eine Lizenz als Versicherer hat. Die Policen werden vollständig digital verwaltet, Element hat deshalb sehr niedrige Kostensätze. Borussia Dortmund erhält eine so genannte Tippgeber-Gebühr für jeden Abschluss. Die Höhe wollen die Beteiligten nicht nennen.

Die Signal Iduna, als Stadionsponsor Haus- und Hofversicherer von Borussia Dortmund, spielt ebenfalls eine Rolle: Das Unternehmen hat das Angebot mit entwickelt und übernimmt den größten Teil der Risiken als Rückversicherer. Allein hätte die Signal Iduna das Angebot aber nur schwer stemmen können – die Kosten der Versicherungsgruppe sind zu hoch.

Die Kooperation zeigt einen Trend in der Versicherungswirtschaft auf: Die Start-ups greifen die etablierten Versicherer nicht mehr frontal an, sondern suchen die Zusammenarbeit. Sie übernehmen Teilbereiche, in denen sie ihre Systeme weiter verbessern und ihren Kostenvorteil ausspielen können.

Die etablierten Versicherer haben deutlich mehr Kapital als die Newcomer und können damit die Geschäftsmodelle stützen. Außerdem wollen sie so genau verfolgen, wie die Digitalisierung der Branche vorankommt, welche Modelle funktionieren und welche nicht. Auf jeden Fall erhöht die Digitalisierung über kurz oder lang den Kostendruck bei den traditionellen Versicherern, mittelfristig ist ein spürbarer Personalabbau wahrscheinlich.

Die Kosten sind bei Versicherung09 so niedrig, dass nicht nur ein wettbewerbsfähiger Preis herauskommt, sondern auch die Gimmicks wie den Bierkasten und die Torpauschale finanzierbar sind. Dazu gehört auch eine spezielle Fanartikel-Versicherung: Wird der Schal oder das Trikot durch einen Bengalo im Stadion versengt oder gestohlen, zahlt Element bis zu 45 Euro. Zur Gewohnheit sollte das für die Fans nicht werden, pro Saison gibt es höchstens 100 Euro.