21. November 2018 | mutmacherinnen von A.T. Kearney

„Gelassen bleiben!"

Nur Mut: Mirja Telzerow, Director HR und Operations, weiß, wie Frauen Karriere machen. Sie ist eine von mehreren „mutmacherinnen“ bei A.T. Kearney. Im Interview verrät sie, warum Frauen sich nicht von Ungerechtigkeiten im Berufsleben einschüchtern lassen sollten – und welche Eigenschaften ihr im Job bisher am meisten geholfen haben.

 

Frau Telzerow, sind die Karrierechancen zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt?

Seit meinem Start ins Berufsleben vor zwölf Jahren hat sich viel getan, weil das Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit genießt. Ob gewollt oder gezwungen, lasse ich einmal dahingestellt – aber deutlich mehr Unternehmen setzen sich damit auseinander und versuchen offensiv, Chancengleichheit herzustellen. Gleichwohl gibt es in einigen Branchen noch Ungerechtigkeiten – etwa Recruiter, die bei Bewerberinnen nachrechnen, wann mit der Mutterschaft zu rechnen ist.

 

Wie machen Sie Frauen Mut, sich davon nicht einschüchtern zu lassen?

Vertraut euch und euren Stärken! Das hilft enorm dabei, sich von schwierigen, mitunter ungerechten Situationen nicht ausbremsen zu lassen. Trotzdem weiterzumachen ist extrem wichtig. Helfen kann dann auch, den Druck rauszunehmen – es muss nicht alles perfekt sein: Ich bin Mutter eines neunjährigen Sohnes und drei, vier Tage die Woche über Nacht unterwegs – da geht natürlich nicht immer alles glatt. Was aber immer geht: nicht aufgeben! Zudem berichte ich von meinen Erfahrungen mit der Generation Y und Z: Immer mehr Männer nehmen Auszeiten, die Work-Life-Balance ist ihnen wichtig. Von dieser grundlegenden Tendenz in der jungen Generation profitieren insbesondere die Frauen. Ich denke daher, dass es heute keinen Grund mehr gibt, sich zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen. Zugleich werden Recruiter, die Mütter als Risiko sehen, immer weniger. Dieses Problem wird sich relativ schnell über die Pensionierung jener lösen, die noch sehr traditionell denken.

 

Gibt es Mutmacherinnen, an denen Sie sich im Lauf Ihrer Karriere orientiert haben?

Ich habe eine Menge spannender Frauen getroffen, ob Gründerinnen, Geschäftsführerinnen, Vorstandsvorsitzende. Dabei interessierte mich stets, wie die Person ihren Weg gegangen ist und wo ihre Stärken liegen. Mir ging es mehr um einzelne, herausragende Aspekte, weniger um das Geschlecht: Ich wollte schlicht von den Besten lernen. Auch heute sind Mentoren für mich wichtig, die mir helfen mich zur reflektieren und meine Stärken weiter auszubauen.

 

Was können andere Frauen heute von Ihnen lernen?

Ich habe mir mit der Zeit Gelassenheit angeeignet: Man sollte schwierige Situationen nicht zu stark mit Emotionen beladen, sondern auf der Sachebene bleiben. Auch Durchhaltevermögen ist wichtig, ob in einem Projekt oder bei der Karriere: Sie ist ein Marathon, der zwischendurch auch mal wehtut. Allerdings habe ich auch gelernt, dass man nicht jedes Problem und jeden Karriereschritt alleine bewältigen muss. Die Kunst ist zu erkennen, wann man Hilfe braucht – und sie sich dann auch zu holen.

 

Ist es sinnvoll, im Job auf Gerechtigkeit zu pochen – etwa bei der Frage, wer die nächste Beförderung bekommt?

Bei Karriereschritten geht es immer um Menschen, deshalb gibt es wirkliche Gerechtigkeit in dieser Hinsicht wahrscheinlich nur im Kino. Es schadet sicher nicht zu beobachten, was um einen herum passiert und wie sich Karrieren entwickeln. Aber wenn man sich zu viel mit anderen beschäftigt, fördert das eher negative Energie – Emotionen wie Neid und Eifersucht. Ich würde daher nicht zuerst fragen, ob etwas gerecht ist, sondern: Gebe ich wirklich mein Bestes? Nutze ich das, was ich selbst in der Hand habe, optimal? Wenn ich das bejahen kann und merke, dass es überhaupt nicht zum Erfolg führt, dann muss ich die Konsequenzen ziehen. Love it or change it!