18. September 2018 | mutmacherinnen von A.T. Kearney

„Nichtstun ist keine Option“

Maria Jarolin, Senior Business Analyst, ist eine von mehreren „Mutmacherinnen“ bei A.T. Kearney. Als Physikerin plädiert sie für mehr Frauen in Naturwissenschaft und Technik.

Mein naturwissenschaftliches Erweckungserlebnis hatte ich während eines Schülerstudiums an der Technischen Universität Berlin. Damals zeigte eine Professorin, dass man die ganze Mathematik aus nur wenigen Grundannahmen aufbauen kann. Die Erkenntnis, dass alles mit allem zusammenhängt, fand ich superspannend. Deshalb entschied ich mich, Physik als eine Anwendung der Mathematik zu studieren. Die analytischen Fähigkeiten und das Durchhaltevermögen, die ich in diesem Studium gelernt habe, kommen mir in meinem Beruf jeden Tag zugute.

Noch im Studium wurde uns gesagt, dass es für Frauen gut wäre zu promovieren, weil man sich mit einem Doktortitel im Berufsleben besser durchsetzen kann. Dass ich auf den Titel verzichtet habe, sehe ich als persönliche Herausforderung. Es muss auch ohne gehen. Und in den jungen Teams, in denen ich arbeite, macht das Geschlecht momentan tatsächlich keinen Unterschied. Aber natürlich kenne ich die Vorurteile, die Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen entgegengebracht werden, obwohl ich selbst noch keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Die Behauptung, dass Frauen genetisch bedingt weniger Interesse an Naturwissenschaften haben, erschließt sich mir nicht. Meiner Ansicht nach ist das vielmehr ein Problem der Erziehung und der weiblichen Sozialisierung.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen aus verschiedenen Bereichen und mit verschiedenen Erfahrungen wichtig sind, um ein Fach voranzubringen und neue Perspektiven zu entwickeln. Mein Ideal wäre es deshalb, dass das Geschlecht bei der Berufswahl überhaupt keine Rolle mehr spielt. Jeder sollte eine freie Entscheidung treffen können – und den eigenen Überzeugungen und Vorlieben folgen. Bis es aber soweit ist, müssen wir aktiv für mehr Frauen in der Naturwissenschaft kämpfen und schon in der Schule Begeisterung für dieses Fach wecken. Um die Welt voranzubringen, können wir auf das kreative Potenzial und die Ideen von Frauen auch in Naturwissenschaft und Technik nicht verzichten.