24. Mai 2017 | Hans-Otto Kromberg

Kromberg & Schubert legt den Turbo ein

Die Zahl der Mitarbeiter innerhalb weniger Jahre verdreifacht, sechs neue Standorte eröffnet, Wettbewerber übernommen und Joint Ventures eingegangen. Expansion auf der Überholspur – mit Bordnetzen für Autos. Dabei agiert das Traditionsunternehmen stets Seite an Seite mit seinen weltweiten Kunden. Der geschäftsführende Gesellschafter, Gründerenkel Hans-Otto Kromberg, findet das ganz normal. Wir sprachen mit ihm über Expansion und Pioniergeist.

Hans-Otto Kromberg schaut verwundert: „Was soll daran außergewöhnlich sein? So handhaben wir es doch seit Jahren, ach was: seit Jahrzehnten. Hat sich bewährt, ist doch normal.“

Was der 72-jährige Kaufmann für völlig normal hält, bereitet anderen Unternehmern schlaflose Nächte: Wie wachse ich schnell, ohne den Überblick zu verlieren? Mit einer schlanken Verwaltung? Und einer Belegschaft, die sich reinhängt? Kurz gefragt: Welche Risiken darf ich wagen, wenn ich die Chancen des Wachstums nutzen will?

Kromberg & Schubert stellt Bordnetze für Autos her – vereinfacht gesagt: alles rund um den Kabelbaum. Noch im Jahr 2002 beschäftigte das 1902 gegründete Unternehmen 7.000 Mitarbeiter, heute sind es mehr als 30.000. In dieser Zeit sind neue Werke eröffnet oder übernommen worden, die Präsenz in Asien und Amerika wurde massiv ausgebaut. Kromberg & Schubert hat den Turbo angeworfen.

Und es kaum gemerkt. Deshalb schaut Hans-Otto Kromberg so verwundert. Ist doch selbstverständlich, die Ausgaben reduzieren zu wollen. Ist doch logisch, die Verwaltung nicht aufzublähen. „Wir bauen keinen Wasserkopf auf“, sagt er. Also hat er das Unternehmen in viele selbstständig agierende Profit Center unterteilt. Das hält die Bürokratie im Zaum und generiert flache Hierarchien mit flotten Entscheidungswegen.

Dieses Erfolgsrezept ist Kromberg & Schubert nicht in den Schoß gefallen, sie haben es sich erarbeitet. Wie expandieren wir klug? Diese Aufgabe hat Gründerenkel Hans-Otto Kromberg direkt angepackt, als er 1973 ins Unternehmen kam. „Mein erstes Projekt waren neue Standorte: Im Jahr meines Eintritts habe ich die Gründung eines Standorts in Irland angestoßen und parallel dazu einen in Schottland.“ Gewissermaßen seine Gesellenprüfung in Sachen Globalisierung.

Pionier zu sein bedeutet vorwegzugehen, wenn andere noch zögern

Das Meisterstück stand sieben Jahre später und Tausende Kilometer weiter weg an. Ein deutscher Autobauer hatte angeklopft und gefragt, ob „Kroschu“ (wie das Unternehmen in der Branche genannt wird) ein Werk in Südafrika aufbauen wolle. Hans-Otto Kromberg informierte sich gründlich – und legte dann los. „Wir sind hohe Risiken eingegangen“, gibt der Unternehmer zu. Er schildert, welche das waren: „Habe ich einen Absatzmarkt dort? Wie sieht es aus mit Arbeitskräften, gibt es genügend, kriege ich die richtigen? Wie sieht es aus mit dem Management, mit der Arbeitsmoral, mit der Produktivität?“ All das seien Unwägbarkeiten gewesen, die kein Kunde übernimmt. „Das unternehmerische Wagnis, die Arbeit so zu organisieren, dass das Ganze wirtschaftlich wird“, sagt er, „das ist Teil des Pioniergeists.“

Pionier zu sein, das bedeutet vorwegzugehen, wenn andere noch zögern. Diese Lektion hat Hans-Otto Kromberg aus Südafrika mitgenommen. „Es ist wichtig, als Lieferant dort zu sein, wo der Kunde ist.“ Deshalb ist Kromberg & Schubert anschließend auch nach Lateinamerika und Asien gegangen.

Einen weiteren Baustein dafür, dass der Erfolg weiter anhält, bildet die Forschungskultur des Unternehmens: Fachübergreifende Teams tüfteln an den Produkten für die Trends von morgen. Markterfolg könne, so das Credo, nur durch Innovationen gelingen.

Deshalb weiß Kromberg & Schubert längst, was die Kunden sich wünschen werden – oder wünschen sollten. Und deshalb ist dem Unternehmer vor der Zukunft nicht bange. „Wir wachsen in die Peripherie unseres Basisprodukts, des Kabelbaums“, sagt Hans-Otto Kromberg. Und dann entschlüpft ihm doch noch ein Satz: „Dafür müssen wir uns jetzt das Know-how besorgen.“

Das Unternehmen wird sich also wieder auf neues Terrain vorwagen. Ganz ohne Angst und ohne Zögern.