23. April 2018 | Digital Value Circle Berlin

Digitalisierung ist weiblich

In Berlin diskutierten weibliche Führungskräfte beim zweiten Digital Value Circle die Rolle von Digitalisierung für Frauen.

Sicher, es heißt „die“ Digitalisierung und nicht „der“ oder „das“. Aber der Artikel allein das macht sie noch nicht weiblich. Wer an Digitalisierung denkt, verbindet damit vermutlich zunächst einmal maskulin belegte Themenfelder wie „Technologie“, „Elektronik“, „Netzwelt“. Das ist es doch, was uns zurzeit überall begleitet: Jährlich werden auf der IFA neue digitale Errungenschaften präsentiert. Apple bringt sein x-tes Mobiltelefon heraus, das eigentlich mehr eine digitale Spielwiese denn ein Telefon ist. Präsentiert werden die technischen Neuheiten natürlich öffentlichkeitswirksam von Männern (Jobs, Cook, Musk und Co.). Und die Bundesregierung benennt eine Digitalisierungsbeauftragte. Aha, Moment, da ist sie also die Weiblichkeit in all der Digitalisierung. Aber nein, auch das ist es noch nicht, was die Digitalisierung wirklich weiblich macht. 

Digitalisierung ist mehr als nur ein neues technisches Gerät nach dem anderen. Digitalisierung ist auch mehr, als die Abschaffung von analogen Prozessen. Digitalisierung ist eine Revolution. Aber warum ist sie denn nun weiblich?

Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die (von vielen vermuteten) allgemeingültigen Kernkompetenzen von Männern und Frauen. Diese besagen: Männer haben Frauen in der Berufswelt häufig besonders eines voraus: sie sind visibel, sie trauen sich, sie finden sich gut und sagen es auch. Frauen sind da eher zurückhaltender, introvertiert, finden sich vielleicht ganz gut, aber wollen nicht damit angeben. Sie können komplexe Themen verständlich erklären und finden stets die richtigen Worte – aber eher in der kleinen, als in der großen Gruppe. Das sind natürlich alles Klischees, die sich in der Realität aber häufig bestätigt finden. Und wo ist nun die Verbindung zur Digitalisierung?

Hier: Die oben beschriebenen Softskills der Frauen sind auch DAS wichtigste Charakteristikum der Digitalisierung. Digitalisierung vereinfacht die Dinge, so dass komplexe Themen verständlich werden. Digitalisierung unterstreicht die richtigen Worte mit Bildern, so dass Begrifflichkeiten visibel werden. Das was den Frauen im Blut liegt, ist auch das Herz der Digitalisierung. Doch einen entscheidenden Vorteil hat sie dabei gegenüber den Frauen: Digitalisierung geschieht in der großen Gruppe, einem Terrain, das vielen Frauen zunächst einmal bedrohlich erscheint. 

Nun muss die weibliche Berufswelt die gesamten Vorteile der Digitalisierung nur noch für sich nutzen lernen. Das Stichwort dabei lautet „Personal Branding“ oder auf gut deutsch gesagt „Selbstvermarktung“. Um noch einmal auf die doch recht realitätsnahen Klischees zurückzukommen: Männer sind gut im strategischen Netzwerken. Sie pushen sich gegenseitig, selbst wenn sie sich nicht mögen. Mal ganz davon abgesehen, dass Frauen gut beraten wären, ebenfalls so zu handeln, bietet die Digitalisierung ihnen einen einfacheren, vielleicht angenehmeren Weg: Sie haben die Möglichkeit, in den diversen sozialen Kanälen ein Bild von sich zu schaffen, das sie dahin bringt, wo sie hin wollen. Mithilfe eines cleveren Storytellings ihrer Selbst können sie sich als Expertinnen positionieren und Werbung für sich machen. Wer sich auf diese Weise sichtbar macht, kann zur Corporate Influencerin werden, der viele Türen und Wege offenstehen.

Aber nicht nur der eigene Weg, die eigene Karriere profitieren von der Digitalisierung. Über ihre Kanäle können Frauen andere Frauen (und natürlich auch Männer) pushen, sich strategisch verknüpfen, mutmacherinnen sein. Leises Netzwerken, das aber doch so viel lauter sein kann, als hochgeschwungene Töne. Es braucht anfangs vielleicht etwas Mut, sich selber so stark darzustellen. Mut und gute Vorbilder. Mit dem Ziel, eines Tages selber ein solches Vorbild zu werden. 

 

Dieser Text basiert auf dem 2. Digital Value Circle zum Thema „Digitalisierung ist weiblich“. Beim Digital Value Circle trifft sich ein kleiner, hochrangiger Teilnehmerkreis zu einem Round Table, um Themen zu besprechen, die im Geschäftsalltag häufig zu kurz kommen.