7. März 2018 | Diversity und Inklusion

Warum 2018 das Jahr der mutmacherinnen ist

Wieso es wichtig ist, mehr mutmacherinnen im Unternehmen zu haben? Wir schreiben das Jahr 2018 und feiern diesen Monat den Weltfrauentag. Der erste Frauentag wurde vor 109 Jahren in den USA begangen. Und heute? Weniger Frauen bewerben sich für hochbezahlte und prestigeträchtige Jobs, weniger als 6% der Fortune 500 CEOs sind Frauen. Weniger als 21% der Vorstandsmitglieder der Fortune 1000 sind Frauen und sie erhalten noch immer, je nach Studie, 78 Cent pro Dollar, den ein Mann verdient. Zudem verlassen Frauen gerade die Hightech-Branche doppelt so häufig wie Männer – das sind keine guten Nachrichten, wenn man bedenkt, dass diese Branche unsere Zukunft formt, wie keine andere.

Von Dr. Laura Wendt, Manager Diversity & Inclusion, A.T. Kearney 

mutmacherinnen werden daher mehr denn je benötigt! Deswegen teile ich jetzt mit Ihnen drei Strategien, wie mutmacherinnen den Status quo dieses Jahr ändern können, sowie die Geschichten zweier mutmacherinnen, die mich nachhaltig beeindruckt haben.

Strategie 1: Vorbilder bestärken – Suchen Sie sich Ihre persönliche mutmacherin!

Könnte es sein, dass nur das Anschauen einer erfolgreichen Frau einen Effekt auf die Leistung anderer Frauen haben kann? Studien zeigen: Wenn kaum weibliche Vorbilder in einem Unternehmen sichtbar sind, glauben Frauen, dass sie keine Chance haben und dies hat zur Folge, dass sie sich nicht bewerben oder verfrüht ihre Karrieren beenden. Ebenso nehmen sie an, dass höherer Wettbewerb unter den Frauen herrscht, was negative Auswirkungen auf die Arbeitskultur haben kann. Frauen in Führungspositionen ziehen jedoch weibliche Talente magisch an und ermutigen sie allein durch ihre Präsenz die Karriereleiter weiter nach oben zu steigen. 

Sind noch keine weiblichen Vorbilder in Ihrem Unternehmen vorhanden? Dann rate ich zu einem einfachen Trick. Schauen Sie sich ein Bild von Sheryl Sandberg, Hillary Clinton oder Wonder Woman an! In einem Experiment mussten Frauen vor einem Gremium eine Rede halten. Sie sahen entweder vorher eine Powerfrau, kein Bild oder ein Bild von Bill Clinton. Die Frauen, die zuvor eine starke Frau sahen, hielten längere Reden, welche als eloquenter bewertet wurden. Daher, Strategie Nummer 1: Zücken Sie vor jedem Vortrag oder Pitch Ihr iPhone und betrachten Sie noch schnell das Bild Ihrer mutmacherin!

Wenn es um Vorbilder geht, ist Marley Dias eine mutmacherin für mich. Mit nur zwölf Jahren nahm sie sich vor, selbst für Vorbilder zu sorgen, denn sie stellte fest, dass fast alle Kinderbücher nur von weißen Jungen und ihren Hunden handelten. Somit rief sie eine Kampagne ins Leben: #1000BlackGirlBooks, um 1000 Bücher zu sammeln, die ein farbiges Mädchen als Hauptdarstellerin enthalten und diese dann örtlichen Gemeinden zu spenden. Sie wollte anderen Afroamerikanern zeigen, dass auch ihre Geschichten es wert sind, erzählt zu werden. Inzwischen sind mehr als 9000 Bücher zusammengekommen und Marley hat ihr eigenes Buch veröffentlicht, worin sie schreibt, wie jeder unabhängig von seiner Hautfarbe, seines Alters oder Geschlechts die Welt ein wenig besser machen kann.

 

Strategie 2: Female Empowerment – Verbünden Sie sich!

Zahllose Studien zeigen, dass Frauen dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen. Sie glauben meist, dass sie noch nicht perfekt qualifiziert sind. Sie möchten niemanden enttäuschen. Faszinierenderweise zeigt sich immer wieder in Studien, in denen Männern und Frauen ein Quizz zu wissenschaftlicher Beweisführung lösen müssen, dass die Frauen ihre Leistung unter- und die Männer ihre Leistung überschätzen. Tatsächlich schneiden sie gleich gut ab. Das führt aber leider dazu, dass Frauen im Wettbewerb um die nächsten Projekte und Verantwortlichkeiten selten ihren Hut in den Ring werfen. Diese Frauen brauchen einen freundlichen „Schubs“ und Frauen fällt es tatsächlich leichter, anderen Frauen Mut zu machen und an deren Fähigkeiten zu glauben. Daher meine Strategie Nummer 2: Treffen Sie sich jeden Monat mit ein paar anderen Frauen zu einem Erfolgsstammtisch, an dem jede Frau nur über ihre Talente, Fähigkeiten und Potentiale spricht. Hören Sie sich in Ihrer Firma und Ihren Netzwerken um. Sobald eine Führungskraft eine dieser Eigenschaften benötigt, stellen Sie den Kontakt zu der passenden Frau her. Diese Strategie hat schon zu mancher Beförderung geführt. 

Meine zweite mutmacherin ist die heute 84-jährige Stephanie “Steve” Shirley, die sich 1962 mit der Softwarefirma F. International Group selbständig machte – eines der ersten Startups im Vereinigten Königreich überhaupt. Sie kreierte eine „Business-Sisterhood“, indem sie Frauen rekrutierte, die die Computerindustrie verlassen hatten, um zu heiraten oder Kinder zu bekommen und baute mit ihnen eine „Home-Office-Organisation“ auf. Sie änderte ihren Namen von Stephanie zu Steve, wenn sie potentielle Kunden anschrieb, um überhaupt einen Fuß in die Türen zu bekommen. Wer hätte gedacht, dass die Blackbox des Flugdatenschreibers des Concorde Überschallfliegers von einigen „Hausfrauen“ programmiert wurde?!

 

Strategie 3: Raus ins Rampenlicht – Berichten Sie von weiblichen Erfolgsgeschichten!

Zurück zu den Frauen, die zurzeit die Hightech-Branche verlassen. Dies liegt weder an einem Mangel an Interesse oder Ambitionen – im Gegenteil. Tatsächlich hat es damit zu tun, dass Frauen in dieser Branche öfter aufgrund ihres Aussehens, ihrer Persönlichkeit oder Geschlechts beurteilt werden und ihnen beispielsweise gesagt wird, sie sollten sich eher auf Sales und Marketing fokussieren. Außerdem stehen ihre Chancen schlecht, von Wagniskapitalgebern finanziert zu werden. Studien zeigen, dass diese sich eher durch Pitches von Männern überzeugen lassen, vor allem, wenn diese auch noch gutaussehend sind. Besonders ironisch ist in diesem Kontext, dass die Beiträge von Frauen für Open-Source-Software viel öfter als die von Männern akzeptiert wird, jedoch nicht, wenn das Geschlecht der Programmiererinnen bekannt ist! Warum möchte die Arbeitswelt auch noch im Jahre 2018 lieber mit „Steve“ arbeiten? Schon lange ist das Sprichwort „Perception is reality“ in der Psychologie bekannt: Sehen heißt glauben und unsere Wahrnehmung wird zu unser aller Realität. Warum hören wir daher nicht mehr Geschichten, wie die von Stephanie Shirley? Denn, wenn bereits das Hinzufügen von „weiblicher Deko“ in einem Programmierkursraum dazu führt, dass Studenten nun eher Frauen mit einer Karriere in den Bereichen IT in Zusammenhang bringen – welche Ausmaße hätte es, wenn mehr Schulabsolventinnen von Stephanie’s Überschallflugzeug-Hausfrau-Programmiererinnen erfahren würden? Daher zu guter Letzt meine dritte Strategie: Lassen Sie uns über die Erfolge von Frauen sprechen! Viel zu selten hören wir die Geschichten von stolzen und erfolgreichen Frauen, die durch ihre Arbeit Freude und Autonomie gewannen und ihren Einfluss nutzten, um eine positive Veränderung in unserer Welt zu bewirken.