24. April 2017 | Zukunft der Produktion

Auf dem Weg Richtung Zukunft

Wenn wir heute an die Produktion in einer Fabrik denken, dann wissen wir doch zugleich, dass die Fabrik der Zukunft nur noch wenig mit ihr gemeinsam haben wird. Wir befinden uns mitten auf dem Weg ins digitalisierte Produktionszeitalter, dessen Konturen wir schon erahnen können.

Dr. Marc Lakner, Partner und Produktionsexperte bei A.T. Kearney, kommentiert.

Auf dem Weg zur global vernetzten Produktion

Als die Managementberatung Kearney und die Wirtschaftszeitung „Produktion“ 1992 gemeinsam den Wettbewerb „Die Fabrik des Jahres“ ins Leben riefen, ging es darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland insbesondere gegenüber der Konkurrenz aus Japan zu stärken. Die Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne brachten mit ihrem neuen Lean-Management-Ansatz in sämtlichen Bereichen innovative Produkte zu konkurrenzlosen Preisen auf den Markt. Die deutsche Industrie, zunächst wie in einer Schockstarre gefangen, musste lernen, schlanke Prozesse und Strukturen zu adaptieren.

1999 wurde „Die Fabrik des Jahres“ um den GEO Award für „Global Excellence in Operations“ erweitert, der neben der Produktion auch den Gesamterfolg der Wertschöpfung auszeichnet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts veränderte die Globalisierung auf ein Neues die Industrielandschaft. Die Herausforderungen hießen nun, Lieferketten weltweit zu managen und eine global vernetzte Produktion zu steuern.

Viel ist bis jetzt erreicht worden: Spitzenleistungen in der Produktion zeigen sich zum Beispiel in der Verdopplung der Umschlagshäufigkeit der Bestände seit 1992. Weitere Indikatoren für die operative Exzellenz im produzierenden Gewerbe sind eine Verbesserung beim Kundenservice auf mehr als 99 Prozent, eine höhere Kostenreduktion über gewählte Vergleichszeiträume (um mehr als 10 Prozent im Vergleich zu 5 Prozent im Zeitraum davor) und die Reduzierung fehlerhafter Lieferungen von Lieferanten auf weniger als 1 Prozent.

Das Gebot der Stunde lautet „Neues wagen!“

So sehr das Streben nach stetigen Verbesserungen weiterhin vonnöten ist – mit der Digitalisierung ist das produzierende Gewerbe neu und radikaler herausgefordert. Das Gebot der Stunde ist nicht mehr nur optimieren, sondern vor allem gänzlich Neues wagen. Wir sehen jetzt schon, dass die sogenannte vierte industrielle Revolution Industriegrenzen sprengt und neue Kooperationsmodelle fordert. Für die Produktion zeichnen sich vollautomatisierte Fabriken ab, in denen Roboter die Menschen ergänzen oder ganz ersetzen. Die industrielle Fertigung mit großen Stückzahlen wird Konkurrenz durch erschwingliche Maßanfertigung erhalten. In jeder Produktion zu diskutieren sind zusätzlich die Chancen von Virtual Reality und kognitiven Produktionssystemen und das unendliche Poteztial von additiven Fertigungsverfahren. Tiefer greifend kann ein Wandel wohl kaum sein.

Die vierte industrielle Revolution in der Praxis

Viele Unternehmen schreiten mit durchaus positiven Ergebnissen experimentierfreudig voran. Die Digitalisierung ist als Teil der vierten industriellen Revolution in vielen Unternehmen angekommen, jedoch mit teilweise erheblichen Unterschieden in Umfang und Tiefe. In der Praxis begegnet man über alle Industrien hinweg ähnlichen Herausforderungen: Beispielsweise sind die einzelnen digitalen Initiativen oftmals noch nicht ausreichend an einer übergeordneten Zielvorstellung ausgerichtet, was für die Priorisierung von Ressourcen und Zeit eminent wichtig wäre. Häufig bringt auch die Auswahl relevanter Technologien vor dem Hintergrund immer neuer Lösungen und Anbieter Schwierigkeiten mit sich. Es ist von zentraler Bedeutung, digitales Know-how im eigenen Unternehmen aufzubauen und Partnerschaften innerhalb oder außerhalb der eigenen Branche zu pflegen, um Geschwindigkeit und Flexibilität bei der Umsetzung der digitalen Transformation sicherzustellen. Neben all den technischen Voraussetzungen stellt die Mobilisierung und Motivation der Organisation wohl den wichtigsten Erfolgsfaktor bei der digitalen Transformation dar.

Auch die Politik darf sich nicht mehr verstecken

Die Unternehmer halten sich aufgrund hoher Investitionskosten und der Notwendigkeit eines allumfassenden Kulturwandels bislang noch zurück bei der digitalen Produktionsrevolution – und sie warten dringend darauf, dass Politik und Industrieverbände einheitliche Industriestandards und effiziente Regelungen zum Beispiel für Datensicherheit auf den Tisch legen.

Digitalisierung und weitere Vernetzung sind nicht mehr aufzuhalten. Wie die Fabrik der Zukunft aussehen wird, kann noch niemand genau sagen. Wie der Weg in die Zukunft beschritten werden kann, lernen wir von Start-ups und den Siegerwerken der „Fabrik des Jahres/GEO“: Sie gehen die Transformation nicht mit großen, mehrjährigen Strategien an, sondern setzen auf priorisierte Ideen, die sie in kleinem Umfang erproben und dann mit hoher Geschwindigkeit verwirklichen.

Mehr Informationen zur Fabrik des Jahres/GEO finden Sie hier: www.geo-award.de