24. Mai 2017 | Digitale Landwirtschaft

Ohne Gen geht's auch

Die Agrarindustrie 4.0 bietet nicht nur Wachstumschancen für die Industrie, sondern auch die Möglichkeit, Ernteerträge zu steigern. Sogenanntes Smart Farming hat das Potenzial, Nahrung für eine Milliarde Menschen mehr zu liefern.

Das Feld per Tablet bestellen, die Kühe automatisch melken lassen und den Dünger je nach Ackerbedingung gezielt einsetzen. Die Digitalisierung bahnt sich ihren Weg auf die Bauernhöfe und Felder der Republik. Während der Beruf des Landwirts vor ein paar Jahren noch mit hohen körperlichen Anstrengungen verbunden war, kann auch er heute die Früchte der Digitalisierung genießen – vorausgesetzt, alle Beteiligten ergreifen die Gelegenheit, die sich derzeit bietet.

Über die letzten Jahrzehnte konnten Saatgut-, Düngemittel- und Pflanzenschutzhersteller ihren Umsatz und Profit Jahr für Jahr verlässlich steigern. Doch der Verbraucher macht ihnen nun einen Strich durch die Rechnung: Immer mehr Menschen schränken ihren Fleischkonsum ein oder stellen ganz auf vegetarische Ernährung um. Auch die steigende Skepsis in der Bevölkerung gegenüber intensiver Landwirtschaft, dem Einsatz von Gentechnik oder Herbiziden, etwa Glyphosat, verstärkt den Druck auf die Industrien – nicht zuletzt, weil auch Regierungen mit regulatorischen Einschränkungen einlenken. Hinzu kommen staatliche und privatwirtschaftliche Initiativen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung. Hier bedeutet jede Tonne weniger Lebensmittelabfall direkt eine geringere erforderliche Menge für die Produzenten.

Wie also soll man sich an die veränderten Gewohnheiten und Bedürfnisse der Verbraucher anpassen bzw. mit ihnen umgehen? Einen alternativen Weg bietet Smart oder Digital Farming, also die umfassende Digitalisierung der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung.

Eine Ausweitung der Digitalisierung auf den gesamten Pflanzenzyklus, von der Aussaat bis zur Ernte, könnte nicht nur den Ernteertrag um 20 bis 30 Prozent steigern – und damit Nahrung für zusätzlich eine Milliarde Menschen liefern –, sondern auch bisherige Geschäftsmodelle radikal infrage stellen.

Das sahen vor allem jene klugen Köpfe, die fernab von Bauernhof und Landmaschine an hippen Schreibtischen in den Metropolen der Welt sitzen. Derzeit sind es nämlich hauptsächlich Start-ups, die das Thema als Business für sich entdeckt haben und beispielsweise Drohnen zur Überwachung von Feldern, Sattelite Imaging und Robotertechnik entwickeln.

Das Zeitalter der Agrarindustrie 4.0 ist angebrochen. Jetzt kommt es darauf an, bestehende Technologien zu bündeln und ganzheitliche Lösungen für Landwirte zu entwickeln und zu vermarkten. Genauso wie bei anderen Industrien im digitalen Wandel werden auch in der Agrarwirtschaft Plattformen entstehen, die Landwirte weltweit unterstützen, datenbasiert Entscheidungen zu treffen. Das kommt dann nicht nur den Erträgen zugute, sondern schont auch die Ressourcen.

Doch nicht nur jeder Bauer weiß: Bei der Digitalisierung kommt es auf Schnelligkeit und Größe an. Wer hier den ersten Schritt macht, bestellt das Feld und wird die Ernte einfahren.

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