13. Dezember 2018 | Restrukturierung

Mut zu hinterfragen

Krisensituationen erfordern schnelle und umfassende Ansätze, um das Unternehmen zu sichern und wieder nachhaltig Wert zu schaffen. Schnelle Entscheidungen und die wirksame Umsetzung von Maßnahmen sind erfolgskritisch. Nils Kuhlwein ist Partner bei A.T. Kearney und Restrukturierungsexperte.

 

Die Weltkonjunktur brummt. Schwierige Zeiten also für Experten wie Sie, die man im Krisenfall anruft?

Auf den ersten Blick könnte man es vermuten, und doch ist mein Terminkalender prall gefüllt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die gute Konjunktur und die noch immer niedrigen Zinsen überdecken Schwächen und Defizite. Das kann und wird sich auch wieder ändern. Wir kennen bereits heute ziemlich genau die Kriterien, die auf Unternehmen zutreffen, die durch ihre Grenz-Performance und ihre hohe Verschuldung in eine Schieflage geraten werden, wenn die Schönwetterphase in der Wirtschaft vorbei ist. Und genau die stehen auf meiner Terminliste.

Sie können zaubern?

Zaubern kann ich leider nicht, aber unser Instrumentenkasten und unser breites Beratungsportfolio, die Größe von A.T. Kearney mit über 4.000 Mitarbeitern weltweit und über 90 Jahren Firmengeschichte liefern die nötige Erfahrung. All das bringen wir zusammen und analysieren ständig die entscheidenden Unternehmenskennwerte, vergleichen sie mit Wettbewerbern und beobachten sehr genau die Entwicklung des jeweiligen Marktes. Die Digitalisierung hilft uns dabei, denn dank Data Analytics und künstlicher Intelligenz können wir das in einem Umfang und einer Unternehmenstiefe machen, wie sie vor ein paar Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wären. 

Mit Ihnen gibt’s dann also erst gar keine Krise?

Im Idealfall ja. Wir wissen aus Untersuchungen, dass erste Symptome bereits 36 Monate vor der eigentlichen Krise auftreten. Unternehmen sind gut beraten, solche Signale frühzeitig zu erkennen, neutral zu bewerten und gegenzusteuern, und für solche Fälle sind wir der richtige Ansprechpartner. Je früher man das tut, desto größer ist der eigene Handlungsspielraum. Wenn die Drei-Wochen-Frist schon läuft, kann man nicht mehr viel machen.

Und wenn dann doch schon alle Alarmglocken läuten?

Helfen können dann nur noch zwei Grundsätze, um doch noch zurück in ruhiges Fahrwasser zu kommen: Erstens sollte man keine halben Sachen machen, sondern die erkannten Probleme ganzheitlich und konsequent angehen. Und zweitens sollte die akute Krisenbewältigung auch der Einstieg in einen dauerhaften Transformationsprozess bedeuten. Anders wird man interne und externe Treiber nie für sich gewinnbringend nutzen können.

 

Dieses Interview stammt aus dem Buch “Nur Mut”.

Mehr Informationen gibt es auf: www.atkearney.de/restructuring