14. Februar 2020 | Statement

Nachhaltigkeit heißt für mich: Machen

Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Umwelt und Soziales zusammenbringen. Ich denke, an kaum jemanden geht dieses Thema derzeit vorbei, und zwar im beruflichen Alltag als auch zu Hause am Küchentisch, wenn die Familie zusammensitzt.

Ein Statement von Martin Eisenhut

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit für eine Unternehmensberatung wie Kearney? Ich könnte es mir recht einfach machen und voller Stolz sagen, dass wir 2010(!) global die Ersten unserer Branche waren, die beschlossen, ihre Klienten nur noch klimaneutral zu beraten. Seit damals kompensieren wir die beruflichen Reisen der Partnerschaft als auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich könnte auch erwähnen, dass wir vor über zwölf Jahren den Deutschen Nachhaltigkeitspreis mit aus der Taufe gehoben haben und ihn seitdem als Partner begleiten. Wir haben dort nicht nur eine Vielzahl von Bewerbungen für die begehrten Preise gesehen, sondern auch unser Wissen eingebracht und die Frage, was Nachhaltigkeit ist, immer wieder weiterentwickelt und neu beantwortet.

Seit 2010 beraten wir unsere Klienten weltweit klimaneutral.

Nur, mir – oder soll ich besser sagen: uns bei Kearney – reicht das nicht! Denn wenn das, was wir und einige andere getan haben, reichen würde, dann würden wir heute nicht vor der Frage stehen, wieso die Pariser Zielvorgaben beim Klimaschutz eher weiter weg erscheinen als noch vor fünf Jahren. Wir würden nicht beklagen müssen, dass Diversity und Gender Gerechtigkeit trotz aller scheinbarer Fortschritte von manchen Schreihälsen lauter denn je in Frage gestellt wird. Und wir würden nicht immer noch die Debatte führen, dass Nachhaltigkeit den Wirtschaftsstandort gefährde, obwohl die Zahlen längst zeigen, dass die Zahl der Unternehmen, die damit ihr Geschäftsmodell auf zukunftssichere Beine stellen, Tag für Tag steigt.

Es ist gut, wichtig und richtig, wenn sich nun alle ambitionierte Klimaziele geben und jede noch so kleine Initiative ist wertvoll, aber in diesem Jahrzehnt zählt nur noch: Machen! Und zwar dort, wo man wirklich einen Hebel zur Veränderung hat und wo es oftmals auch ans Eingemachte geht. Ich kann Ihnen versichern, man rennt öfter offene Türen ein als man denkt. Beispiel gefällig? Als kürzlich ein erstes Kearney Team einem Klienten vorschlug, das montägliche Kick-off Meeting zwei Stunden später zu beginnen, um eine Anreise per Bahn statt Flugzeug zu ermöglichen, mussten die Kollegen gar nicht erst darauf hinweisen, dass man selbstverständlich die zwei Stunden zum Arbeiten im Zug nutzen wird. Die Antwort war sofort: Ja.

Es gibt also die pragmatischen Lösungen für den Alltag mit erheblicher Wirkung, denn es ist sicherlich kein Geheimnis, dass es gerade die Flugreisen sind, die die Klimabilanz von Beratungsunternehmen belasten, Kompensationszahlungen hin oder her. Und so wie man öfter auf die Bahn wechseln kann, verhält es sich mit einem Mehr an Videokonferenzen, Mobility Angeboten als Alternative zum klassischen Dienstwagen und einem fleischärmeren (und by the way auch gesünderen) Event-Catering.

Doch all das ist am Ende nur „House Keeping“, wenn die Leistungen von Beratungsunternehmen nicht nachhaltiger werden. Da sind zum einen natürlich Nachhaltigkeitsprojekte unserer Klienten, deren explizites Ziel es ist, nachhaltiger zu werden, zum Beispiel im Hinblick auf ihre Lieferkette. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Nachhaltigkeitskompetenzen weiter massiv ausgebaut, weil die Nachfrage danach immer weiter gewachsen ist – Tendenz zunehmend. Getrieben wird diese Entwicklung durch ein sich veränderndes Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher und neue Regulierungen wie die sich nun auch auf EU-Ebene abzeichnenden gesetzlichen Vorgaben zur Verantwortung von Unternehmen für ihre gesamten Lieferketten.

Als eine der führenden Unternehmensberatungen haben wir eine Verpflichtung und einen Anspruch an uns selbst.

Zum anderen, und das ist unser Anspruch als eine der führenden Unternehmensberatungen für das Top-Management, werden wir die Dimension Nachhaltigkeit zukünftig auch mitdenken, wo sie nicht integraler Bestandteil eines Projekts ist. Sozusagen als Add-on wollen wir unseren Klienten verdeutlichen, ob und wie ihr unternehmerisches Tun im Einklang mit dem Pariser 2° Ziel steht, wo Potenziale zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeitsbilanz schlummern, wie sie sich damit Vorteile gegenüber den Mitbewerbern sichern und ihre Reputation verbessern können. Ob wir da immer für entlohnt werden, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin aber optimistisch, dass es viele wertschätzen und unsere Empfehlungen reflektieren werden.

Das ist das „Machen“, das ich meine.

 

Martin Eisenhut ist Partner und Managing Director DACH bei Kearney