29. Mai 2018 | Automotive

"Es mangelt am Denken in Ökosystemen"

Im Gespräch mit Dr. Sebastian Schoemann, Partner bei Kearney

Wagen Sie eine Prognose, bis wann die digitalen Geschäftsmodelle für die Autoindustrie profitabel sein werden?

Die Automobilhersteller sind auf einem sehr gutem Weg. Sie sind in die digitale Zukunft gestartet und haben den künftigen Kurs abgesteckt. Doch die Transformation braucht Zeit. Zeit zum Skalieren, Zeit, um bei den digitalen Projekten eine kritische Masse zu erreichen. Auch die großen Plattformen wie Google oder Amazon brauchten sieben bis acht Jahre, bis der Umsatz wirklich spürbar nach oben ging. Ein enormes Tempo wird diese Jahre prägen: Die OEMs müssen sich auf die Zukunft einlassen, agil sein, schnell handeln und bereit sein, permanent dazuzulernen.

Wie groß ist die Einsicht bei den OEMs, dass es ohne neue Geschäftsmodelle wohl kein Happy End geben wird?

Die Notwendigkeit ist erkannt, aber es mangelt oft noch an der Offenheit und am Denken und Handeln in Ökosystemen mit klarer Rollenverteilung. Auch fehlt es zuweilen an der Bereitschaft zur echten Kooperation – mit professionellen Partnern ebenso wie innerhalb der Branche. Warum gibt es fürs Auto kein offenes Betriebssystem à la Android oder iOS? Damit könnten Partner zum Beispiel leichter Applikationen entwickeln.

Ist die Fusion der Mobilitätsdienste von Daimler und BMW sinnvoll?

Ja. Die Schnittmenge der Nutzer ist groß, sie können Synergien nutzen und sie besetzen mit diesem Schritt die Kundenschnittstelle für temporäre Mobilität im selbstgefahrenen Auto. Und: Es geht hier nicht nur um den Wettbewerb zwischen den beiden OEMs, sondern auch gegen branchenfremde Konkurrenten wie Uber und Lyft.

Dieses Interview wurde in der Automotive Vol. 8 veröffentlicht. Die gesamte Ausgabe können Sie hier einsehen.